Die Innung

125 Jahre Raumausstatter- und Sattlerinnung Chemnitz

Der Beruf des Sattlers, einst Riemer, und des Raumausstatters, auch Tapezierer genannt, geht zurück bis in die Antike. Der berufliche Höhepunkt des Tapezierers lag in der Zeit Ludwig des XIV. und des französischen Hochadels. Mit jeder Epoche kam eine qualitative und quantitative Steigerung des Berufsbildes hinzu. Durch die Anwendung neuer Materialien und Aufgabenbereiche kristallisierte sich eine Spezialisierung heraus. Seit Ende des 17. Jahrhunderts, als der Adel und das reiche Bürgertum mit anspruchsvollem Luxus in ihren Schlössern und Patrizierhäusern wetteiferten, kräftigte und verstärkte sich das Berufsbild.

Um die Qualität der Arbeit zu halten bzw. auszubauen, kam es zur Bildung von Handwerkerzünften und Gilden. Schon 1703 gründete sich eine Zunft der Sattler und Riemer in Harburg. 1824 wurde der Tapeziererverein in Berlin gegründet und 1864 als Innung bestätigt. 1887 wurde die Innung in Chemnitz gegründet. Die Aufgabe der Innung bestand darin, die Ausbildung der Lehrlinge und Meister zu einem hohen Berufsniveau zu führen und eine hohe Qualität in der praktischen Arbeit zu erreichen und zu kontrollieren. Es kam zum Teil zur Bildung von Zwangsinnungen.

Nach dem 2. Weltkrieg bildeten sich Einkaufs- und Liefergenossenschaften und Berufsgruppen wurden gegründet. Ihre Aufgabe bestand hauptsächlich in der Beschaffung von Materialien, deren sparsamster Verwendung und der Ausnutzung der technischen Gegebenheiten. Ab 1960 stand der technische Fortschritt durch Mechanisierung und Steigerung der Arbeitsproduktivität sowie die Preis- und Lohngestaltung im Mittelpunkt.

Nach dem Zerfall der DDR kam es im Jahre 1990 zur Umbenennung des Berufes „Tapezierer“ in „Raumausstatter“ und zur Bildung der Innung. Der Schwerpunkt war der Aufbau der Strukturen, angepasst an die neue, gesamtdeutsche Situation. Die Lehr- und Meisterausbildung lag wieder in den Händen der Innung. Die Vorstellung von neuen Materialien und deren Anwendung in der Praxis sowie die Qualifizierung von Gesellen und Meistern ist noch immer Bestandteil der Innungsarbeit. In den Innungsversammlungen werden Probleme von Innungsmitgliedern besprochen und mögliche Unterstützung gewährt.

Durch Fach- und Praxistage wird eine ständige Fort- und Weiterbildung der Innungsmitglieder gewährleistet. Auch das kulturelle Zusammenleben der Innung wird gepflegt.

Nach Auflösung des Landesinnungsverbandes in Dresden fusionierten im Jahre 2009 die Innungen Chemnitz/Stadt Mittlerer Erzgebirgskreis, die Innung Chemnitz/Land und die Innung Annaberg zur Raumausstatterinnung Chemnitz mit dem Wahlspruch:

Was Du allein nicht vermagst, dazu verbinde Dich mit anderen, die das gleiche wollen!